Archive for Oktober, 2007

22. Oktober 2007, 0:30 von Kenan Ayna

Internet als Machtfaktor im US-Wahlkampf

Blogs im US Wahlkampf Hillary Clinton John Edwards Barack Obama

Im US-Wahlkampf setzen die Präsidentschaftskandidaten erstmals bewusst auf das Internet

"Auch wenn wir immer noch das meiste Geld Werbung im Fernsehen und Radio investieren, so wird das Internet immer wichtiger", sagt Alex Burgos, einer der Pressesprecher von Mitt Romney, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten und Gouverneur von Massaschusetes. Um möglichst überzeugend zu wirken, hat Romney sich einen der bestvernetzten Blogger der konservativen Seite in den USA eingekauft. Er soll das neue Wählerpotenzial anziehen.

Obwohl die Blogger am Ende noch nicht so mächtig sein werden, die Wahl zu entscheiden, so haben sie doch offenbar soviel Macht, dass sie niemand verärgern will. Vor einigen Wochen hatte die einflussreiche Blogger-Seite Yearly-Kos alle demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu einer Debatte eingeladen und die drei führenden Kandidaten hatten zugesagt: Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards. Keiner von ihnen will im Internet in Ungnade fallen.

Eine noch größere Macht auf die Demokratische Partei haben allerdings die linken Blogger, die sich unter dem Sammelbegriff Netroots - aus den Worten Internet und Grassroots, sammeln. Matt Stoller gilt als Blogger der ersten Stunde und hat vor wenigen Wochen eine neue Seite unter dem Titel openleft.com gegründet. Zu einem seiner großen Erfolge zählt er die Tatsache, dass es ihm und seinen Mitbloggern gelang, eine Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten mit dem konservativen Fernsehsender Fox-News in Nevada zu verhindern. "Wir Linke fühlten uns verraten, als wir von der Debatte erfuhren", erinnert sich Stoller. Sie bloggten ihren Ärger und sendeten dem Parteichef der Demokraten in Nevada tausende von E-Mails. Am Ende gewannen sie, die Debatte wurde abgesagt.

Ein weiteres Beispiel für das Internet als Machtfaktor im US-Wahlkampf ist nicht einmal ein Jahr her, da hat eine Sekunde den amerikanischen Wahlkampf für immer geändert. Bis heute fürchten Politiker, Parteistrategen und Pressesprecher das, was im Volksmund als der „Macaca-Moment“ bekannt wurde. Senator George Allen, der die Wiederwahl eigentlich so gut wie sicher hatte, hatte während einer Veranstaltung offenbar für eine Sekunde die Nerven verloren, als er sich an einen jungen Mann indischer Abstammung wandte und ihn mehrmals als „Macaca“ beschimpfte – was eine beleidigendes Wort für Menschen mit dunkler Hautfarbe ist.

Dass diese Äußerung bei einer Veranstaltung an der Grenze zwischen Virginia und Kentucky Allens Schicksal verändern würde, verdankte er dem Internet. Der junge Mann, der für den anderen Senatorkandidaten arbeitete, hatte Allen gefilmt und das Video auf die Internetplattform YouTube gestellt. Hatte die Washington Post und New York Times den Vorfall schnell zu Akten gelegt, hielten Blogger das Thema am Leben. Jeder konnte das Video als Beweis sehen und das war für Allen schädlicher als tausend Worte. Am Ende geschah, was niemand glaubte: Allen verlor seinen Senatsposten an Webb. Es war die erste Demonstration der unbarmherzigen Härte und Macht  des Internets. Keiner der Präsidentschaftskandidaten hat das vergessen.

Weiter gehend stellt sich die Frage, wie mächtig könnten die Blogger in Deutschland werden? Welche Macht könnte das Internet für den Bundestagswahlkampf 2009 darstellen. Da amerikanische Präsidentschaftswahlkämpfe fast immer Strahlkraft auch auf deutsche Bundestagswahlkämpfe haben, ist anzunehmen, dass die großen Möglichkeiten des Internets für die Parteien und Politiker hinsichtlich Stimmengewinn und Wahlkampspenden auch in Deutschland früher oder später erkannt werden. Interaktive Demokratie könnte hier als Pioneer Entwicklungshilfe in der Vermittlung leisten und sich als thematischer Navigator an die Spitze der Bewegung setzen. Es ist davon auszugehen, dass der Bundestagswahlkampf 2009 besonders hart sein wird und es auf jede Stimme ankommen könnte.

2. Oktober 2007, 8:55 von iDemokratie

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